Svalbard - Spitzbergen 2008

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Flagge von Norwegen
Norwegen

Die Inselgruppe Spitzbergen

Die Inselgruppe Spitzbergen: frühere Heimat der Polarforscher, Abenteurer und Entdecker. Für Mitteleuropäer ist sie gefühlt sehr weit entfernt. Nur ein Traum. In jungen Jahren konnte ich von Spitzbergen nur lesen. Im August 2008 war ich für zwölf Tage und zwölf helle Nächte dort.

Landkarte der Arktis
Landkarte der Arktis

Seit vielen Jahren fahren bereits teure Kreuzfahrtschiffe weit in den Norden an die polare Eiskante heran – und auch nach Spitzbergen. Für eine solche Tour ist jahrelanges eisernes Geld sparen notwendig. Im Sommer 2007 habe ich jedoch zufällig entdeckt, dass Flüge nach Spitzbergen und ein Übernachten auf dem Campingplatz (direkt am Flugplatz für 90 NOK, 2008) eine überraschend bezahlbare Kombination sein können. Gedacht – gebucht.

Es war hell. Es war kalt. Es war ein Abenteuer.

Flugplatz am Fjord
Flugplatz am Fjord
Zeltplatz-Gebäude
Zeltplatz-Gebäude
Vogelblick
Vogelblick
Frostsprengung
Frostsprengung
Gletscher 35 km entfernt
Gletscher 35 km entfernt
Isfjord nachts
Isfjord nachts

Longyearbyen

Es gibt verschiedene Varianten für die Bezeichnung der Inselgruppe. Im deutschen wird üblicherweise von „Spitzbergen“ gesprochen. Die Norweger dagegen, die die Inseln beaufsichtigen, nennen das Archipel „Svalbard“. (Vest-)Spitsbergen heißt für sie nur die größte der Inseln, auf der auch alle Siedlungen liegen.

Das Eingangstor zur Inselwelt ist der norwegische Hauptort Longyearbyen, der sich in das Longyeardal hinaufzieht und auch entlang des Adventfjords erstreckt. Der wiederum ist das geflutete Ende des Adventdal und mündet selbst in den riesigen Isfjord. Neben Longyearbyen gibt es noch zwei weitere norwegische Siedlungen und (nur) noch eine russische Ortschaft.

Adventfjord
Adventfjord
Siedlung Hiorthhamn
Siedlung Hiorthhamn
Kohlehafen
Kohlehafen
Longyearbyen Einkaufsmeile
Longyearbyen Einkaufsmeile
Alt-Longyearbyen mit Kirche
Alt-Longyearbyen mit Kirche
Blick ins Tal
Blick ins Tal

Kohlegeschichte

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann auf Spitzbergen die große Suche nach Rohstoffen. Vor rund 100 Jahren wurden die ersten Kohleminen in die Berge getrieben.

Die Kohleschicht hatte eine Dicke von rund 80 bis 120 cm und befand sich 300 bis 400 m über den Fjorden. Somit musste die abgebaute Kohle einfach nur aus den Bergflanken heraus und hinunter zum Hafen transportiert werden. Dies wurde für Jahrzehnte von Seilbahnen durchgeführt. Noch heute prägen die Holzständer das Ortsbild.

gute Kohle
gute Kohle
alte Mine 1 im Berg
alte Mine 1 im Berg
Mine 2 / Gruve 2
Mine 2 / Gruve 2
Longyeardalen
Longyeardalen
Seilbahnzentrale
Seilbahnzentrale
Kohletransport schon vor 100 Jahren
Kohletransport schon vor 100 Jahren

In die Berge um Adventdalen

Aufgrund der Eisbärengefahr außerhalb von Longyearbyen ist bei Wanderungen stets ein entsprechendes Gewehr mitzunehmen. Bei geführten Wanderungen hat der Guide die notwendige Technik und Erfahrung dabei. Inzwischen gibt es etliche Reiseunternehmen in und um Longyearbyen, die Stunden-, Tages- und längere Touren anbieten.

weites Adventdalen
weites Adventdalen
Svalbardmohn
Svalbardmohn
über den Larsbreen (Gletscher)
über den Larsbreen (Gletscher)
Trollsteinen
Trollsteinen
Svalsat in der Ferne
Svalsat in der Ferne
alte Schneefelder
alte Schneefelder

Wetter und Versorgung

Das Wetter war im August 2008 etwas kälter und etwas nasser als im Durchschnitt. Die Temperaturen stiegen nicht über 10 Grad C. In den Bergen war nachts immer wieder Frost möglich. Niederschlag in Form von Land- oder Nieselregen war keine Ausnahme. Eines Morgens lag Schnee rund um und auf den Zelten. Das Wort „Nacht“ ist im Sommer übrigens gleichbedeutend mit „Sonne weit über dem Horizont“. Dunkel ist es nur in den Kohleminen.

Spitzbergen insgesamt ist zwar Wildnis, aber Longyearbyen ist eine Kleinstadt wie fast jede andere in Nordeuropa: mit Supermarkt, Post, Restaurants, Schule, mehreren Outdoorläden und einer Bibliothek.

Blick über den Gletscher
Blick über den Gletscher
Rentier mit Winterspeck
Rentier mit Winterspeck
Hiorthfjellet
Hiorthfjellet
noch eine Bergmine
noch eine Bergmine
oben in den Schneewolken
oben in den Schneewolken
Adventfluss-Delta
Adventfluss-Delta

Eisbär und Barentsburg

Mit verschiedenen Schiffen ist es möglich, sich auf Tagestouren die Fjorde und Gletscher der Umgebung anzugucken. Auf der Bootsfahrt zur russischen Siedlung Barentsburg zum Beispiel macht das Schiff zuvor halt vor der Abbruchkante des Esmarkbreen. Und ich hätte es wirklich nicht erwartet, aber während der Fahrt vom Gletscher weg habe ich einen Eisbären am Ufer gesehen.

auf dem Schiff Polargirl
auf dem Schiff Polargirl
Esmarkbreen am Isfjord
Esmarkbreen am Isfjord
Schiffsgröße vorm Gletscher
Schiffsgröße vorm Gletscher
Landkarte Svalbard
Landkarte Svalbard
der Eisbär
der Eisbär
Barentsburg
Barentsburg
russische Siedlung
russische Siedlung

Wildniswandern von Barentsburg nach Longyearbyen

Eben noch den Bären vom Schiff aus gesehen, ging es kurz darauf zu fünft für vier Tage quer durch die Landschaft von Barentsburg zurück nach Longyearbyen. Wenn es alles gut klappt...

Und nachts mit dem „beruhigendem“ Gefühl, dass der Draht um die Zelte und die dazugehörigen Signalraketen uns schon wecken würden, falls ein Eisbär vorbeischaut.

Schön ist auch das Kribbeln, wenn nach der Querung eines knietiefen Flusses mit nur knapp über 0 Grad C das Blut in den nackten Füßen wieder in Bewegung kommt.

Warnung vor Bären
Warnung vor Bären
immer weiter
immer weiter
Zelte
Zelte
Signaldraht mit Raketen
Signaldraht mit Raketen
Flussquerung bei fast 0 Grad C
Flussquerung bei fast 0 Grad C

Beim Erwachen nach der zweiten Nacht in der Wildnis wirkte plötzlich alles so hell. Das Öffnen des Zeltes brachte die Lösung: es hatte geschneit. Die tief zerfurchten Tafelberge mit ihren endlosen Geröllwüsten sind für sich schon kaum beschreibbar oder fassbar, aber mit einer frischen weißen Schneekappe oben drauf wirken sie wieder ganz anders. Der August macht’s möglich.

Schnee am Morgen
Schnee am Morgen
Wandergruppe
Wandergruppe
weites Colesdalen
weites Colesdalen
Synndalen
Synndalen
Schneeberge den ganzen Tag
Schneeberge den ganzen Tag
Grumantbyen am Ufer
Grumantbyen am Ufer

An den vier Wandertagen haben wir keinen weiteren Bären mehr gesehen. Auch nachts war offenbar keiner in der Nähe. Am letzten der vier Tage waren in einem Schneefeld allerdings frische Bärenspuren zu sehen. Wie ich später hörte, musste nicht weit entfernt davon in jenen Tagen ein Jungbär erschossen werden, als er einen Menschen angreifen wollte.

August in 78 Grad Nord
August in 78 Grad Nord
Svalsat auf dem Plateau
Svalsat auf dem Plateau
NASA-Kugel
NASA-Kugel
Lichtspiel auf dem Isfjord
Lichtspiel auf dem Isfjord

Bootsfahrt durch den Isfjord nach Pyramiden

Eine zweite Bootstour führte mich (diesmal ohne anschließende Wanderung) nach Osten an die Enden des Isfjords zur russischen Siedlung Pyramiden am Fuße des gleichnamigen Berges. Pyramiden war lange Zeit die zweite sowjetische Siedlung auf Spitzbergen, wurde aber vor einigen Jahren von heute auf morgen aufgegeben. Sie ist heute eine Geisterstadt.

zweite Tour per Boot
zweite Tour per Boot
Pyramiden
Pyramiden
sowjetische Architektur
sowjetische Architektur
Möwenstadt bzw. Geisterstadt
Möwenstadt bzw. Geisterstadt
Kohleberg im Hintergrund
Kohleberg im Hintergrund
am Kultur- und Sporthaus
am Kultur- und Sporthaus
alte Zeiten
alte Zeiten
fast 80 Grad Nord
fast 80 Grad Nord
Holzweg auf Wasserleitungen
Holzweg auf Wasserleitungen

Nach der geführten Tour durch Pyramiden geht die Bootsfahrt weiter zum riesigen Gletscher Nordenskjøldbreen. Während dieser Fahrt erreiche ich meinen (vorläufig?) nördlichsten Punkt bei rund 78 Grad und 40 Minuten Nord. Für viele Entdecker und Forscher ging es in den letzten Jahrhunderten in diesen Breiten erst richtig los, und zwar ohne die heutige technische Ausrüstung.

zum Gletscher
zum Gletscher
Fjordende am Gletscher
Fjordende am Gletscher
Nordenskjøldbreen
Nordenskjøldbreen
Wetter in allen Varianten
Wetter in allen Varianten
Schneekappe auf den Gipfeln
Schneekappe auf den Gipfeln

Auf der Rückfahrt nach Longyearbyen hat sich die Berglandschaft noch einmal von ihrer schönsten und beeindruckendsten Seite gezeigt. Vom Boot aus konnte ich die zum Bünsowland gehörenden schneebedeckten schroffen Felswände bewundern.

Wann werde ich wieder nach Svalbard zurückkommen? Wie lange sieht Spitzbergen noch so aus wie heute?

Billefjord
Billefjord
Schneegrat ganz oben
Schneegrat ganz oben
Bünsowland markant
Bünsowland markant
steil bergab
steil bergab
schroffer Fels
schroffer Fels